Naturzustand (Glossareintrag)

Der Begriff „Naturzustand“ bezieht sich auf die Art des Zusammenlebens der Menschen vor jeder Art der Vergesellschaftung. Somit ist „Natur“ hierbei äquivalent mit „Wesen“ des Menschen bevor sich dieser irgendeiner Sonderstellung in und gegenüber der Natur bewusst wird und dieser Stellung mit Vernunft organisatorische Form gibt.

Der Begriff „Naturzustand“ bezieht sich also in keiner Weise auf die objektive Natur, hat insbesondere keinen ökologischen Bedeutungsgehalt. Werden die Theorien über den aktuellen gesellschaftlichen Prozess in die Sichtweise von Natur projiziert und anschließend als Formen vernünftig gestalteten, naturgemäßen gesellschaftlichen Lebens mit diesen naturwissenschaftlichen Theorien zirkulär begründet, spricht man von à Naturalismus.

Ulrich Eisel

(Zitiervorschlag: Eisel, Ulrich 2012: Naturzustand [Version 1.0]. In: Glossar naturphilosophischer Grundbegriffe, www.naturphilosophie.org). Copyright beim Autor.

Basisliteratur

  1. Hobbes, Thomas 1949: Grundzüge der Philosophie, Bd. 2. Zweiter und dritter Teil: Lehre vom Menschen/Lehre vom Bürger. Meiner, Leipzig: daraus 59-130/Kapitel 1-5. Leipzig. (Zuerst 1646).
  2. Locke, John 1966: Über die Regierung. Reinbek, Rowohlt. (Zuerst 1689).
  3. Nonnenmacher, Günther 1989: Die Ordnung der Gesellschaft. Mangel und Herrschaft in der politischen Philosophie der Neuzeit: Hobbes, Locke, Adam Smith, Rousseau. Weinheim, VCH/Acta Humaniora.
  4. Rousseau, Jean-Jacques 1931: Discours über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen. („Zweiter Discours“) In: Ders.: Die Krisis der Kultur. Die Werke ausgewählt von Paul Sakmann. Leipzig, Kröner: 75-98. (Zuerst 1755).
  5. Strauss, Leo 1977: Naturrecht und Geschichte. Frankfurt/M., Suhrkamp.

Zur ausführlichen Beschreibung und Liste mit weiterführender Literatur.