Teleologie (Glossareintrag)

Die Teleologie ist die Lehre der Zwecke und Zweckbeurteilungen. In der Naturphilosophie ist mit dieser Lehre seit der Antike die Vorstellung verbunden, dass die Dinge auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichtet sind. Für den Bereich der anorganischen Natur wurde diese Vorstellung seit der Frühen Neuzeit weitgehend durch rein kausale Betrachtungen abgelöst. Im Bereich des Lebendigen spielt die Teleologie aber bis in die Gegenwart eine wichtige Rolle – nach Auffassung nicht weniger Autoren, allen voran Immanuel Kant, sogar eine für die Wissenschaft der Biologie grundlegende, die ihre Abgrenzung gegenüber der Physik ermöglicht. Auf welcher theoretischen Grundlage die Begründung und Rechtfertigung teleologischer Betrachtungen in der Biologie erfolgen können, ist eine der am intensivsten geführten Debatten der Philosophie der Biologie. Gegenüber stehen sich dabei vor allem eine Ansicht, die von Organismen als selbstreferenziellen funktionalen Systemen ausgeht, und eine andere, die Zwecke als durch Selektion entstandene Wirkungen versteht. In deskriptiver Hinsicht besteht Konsens, dass die organische Zweckmäßigkeit verstanden werden kann als die Eigenschaft von Teilen und Prozessen eines Organismus, einen Beitrag für das Überleben und die Fortpflanzung dieses Organismus zu leisten.

Georg Toepfer

(Zitiervorschlag: Toepfer, Georg 2013: Teleologie [Version 1.0]. In: Kirchhoff, Thomas (Redaktion): Glossar naturphilosophischer Grundbegriffe. www.naturphilosophie.org.) Copyright beim Autor.

Basisliteratur

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